• Olaf Martens studierte von 1985 bis 1992 Fotografie an der Hochschule für Grafik und Buchkunst (HGB) in Leipzig (u. a. bei Wolfgang G. Schröter und Helfried Strauß). Seine Zeitgenossen sind die Künstler der Leipziger Schule, darunter Neo Rauch, Tim Eitel oder Tilo Baumgärtel.
  • Seit Ende der 1990er Jahre fertigt Olaf Martens Aufnahmen für PR- und Werbekampagnen internationaler Auftraggeber. Er schuf Bildreportagen und Fotobeiträge u. a. für: FAZ Magazin, Der Spiegel, Stern, Harpers Bazar Russland, Focus Magazin, Max, Die Welt, Art, Geo Spezial, Merian, Glamour, Wiener, Park Avenue.
  • Seine Arbeiten sind u. a. in den Sammlungen Goetz und Sammlung F. C. Gundlach vertreten.
  • Werk
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  • Die Fotografien von Olaf Martens werden häufig mit der Ästhetik der schönen, jungen Frauen der Lifestyle-Illustrierten in Verbindung gebracht. Hinter der offensichtlichen Schönheit der Fotografien lassen sich Lust, Ironie und eine Form des Skurrilen erkennen.
  • Martens versucht, die Mechanismen hinter den zu Stereotypen erstarrten Bildinhalte zu durchschauen. Häufig fotografierte er in der DDR und in Russland: schrottreife Atom-U-Boote, russische Revuetheater, Ballett etc. Die dabei entstandenen Bilder spielen mit Gegensätzen – Dekadenz und Armut, Dick und Dünn, verführerische Frauen vor schäbiger Kulisse, Alltag und die künstliche Welt der Schönen und Reichen. Schuhe und Autos symbolisieren die Sehnsüchte der Menschen, BHs, Latexanzüge, Strümpfe fungieren als Fetische bzw. Rüstungen – aber immer auch als Zeichen der Macht. In diese konstruierten Bildwelten voller »Ikonen des Zeitgeistes« – die erste ostdeutsche Miss Germany, Künstler, Schauspieler, Fitnessgurus, ehemals hochdekorierte Beamte des Spionagewesens, Modeschöpfer, russische Oligarchen – finden Irritationen Eingang. Martens setzt auf Ironie, um die Methoden der Fiktionsbildung zu untersuchen. Er greift auf Motive der Kunstgeschichte zurück wie auf banale Werbestrategien. Die Kombination normalerweise inkompatibler Elemente führt auf kalkuliertem Zufall beruhenden Brüchen mit der Eindeutigkeit und verlangt nach einem gleichzeitigen Denken auf unterschiedlichen Ebenen.
  • Martens selbst: »Mein Stolz ist, dass die Männermagazine bei mir immer noch nicht Schlange stehen, obwohl ich von den gängigen Versatzstücken: Brüste, Pos, lange Beine usw. einiges biete. Die Medien haben ein untrügliches Gespür dafür, wo sie – und sei es durch leichte Abweichungen oder selbstironische Reflexionen – nicht mehr bedient werden.«
  • Daneben existieren Künstlerporträts, darunter von Dinos & Jake Chapman, Sarah Lucas, Franka Potente, den Leningrad Cowboys oder Roland Emmerich, bei denen Martens das für den porträtierten Künstler Spezifische, dessen Arbeitsweise oder Charakter, sichtbar zu machen sucht.
  • Gänzlich neu hingegen ist seine Hinwendung zur Architekturfotografie. Im Gegensatz zur unterkühlten und sachlichen Ästhetik seiner Kollegen wie Thomas Ruff oder Thomas Struth, die ihren Motiven einen allgemeinen Charakter abringen, beschwören die Fotografien von Martens die Einzigartigkeit der Motive. Trotz deren fantastischen Aussehens sind die Bilder getreue Abbildungen der zum Teil kuriosen Bauten, die der Künstler in langer Recherche ausfindig macht.
  • Martens lebt und arbeitet in Leipzig.
  • Literatur
  •     Olaf Martens – Fotografien, Texte von F. C. Gundlach, Klaus Honnef und Wolfgang G. Schröter. Kilchberg/Zürich 1994.
  •     Olaf Martens. Frostiges Feuer. Neue Fotografien, Text von Klaus Honnef. Rheinisches Landesmuseum, Bonn 1996.
  •     Olaf Martens, Peter Lang. Lust und Spiele. Kunsthaus Dresden, Städtische Galerie für Gegenwartskunst, Dresden 1998.
  •     Bilder, die noch fehlten, Text von Klaus Honnef. Deutsches Hygiene-Museum, Das Museum vom Menschen, Dresden 2000.
  •     Masken & Fassaden. St. Petersburger Perspektiven. Olaf Martens Fotografie 1996–2003. Stuttgart 2003.
  •     Von Körpern und anderen Dingen – Deutsche Fotografie im 20. Jahrhundert. Deutsches Historisches Museum, Berlin; Moscow House of Photography, Moskau; Museum Bochum 2003.
  •     Träume Welten Hintergründe. Olaf Martens 1984–2004. Grassi Museum, Museum für Kunsthandwerk, Leipzig 2004.
  • Einzelausstellungen (Auswahl)
  •     Kunsthaus, Dresden; Barlach-Halle K, Hamburg; 2. Internationale Fotobiennale, Moskau (1998)
  •     Internationale Fotobiennale, Goethe-Institut, Rotterdam; Fotomuseum, Leipzig-Mölkau; Ephraimpalais, Berlin (2000)
  •     Grassi Museum für angewandte Kunst, Leipzig (2004)
  •     FFI – Fotoforum International, Frankfurt; Neue Sächsische Galerie, Chemnitz (2005)
  •     LUMAS Galerie Berlin; From Russia with Love (2014)
  • Gruppenausstellungen (Auswahl)
  •     Museum für angewandte Kunst und Gewerbe, Berlin (1995)
  •     Rheinisches Landesmuseum, Bonn (1997)
  •     Museum für Kunst und Gewerbe, Hamburg; Deutsches Hygiene-Museum, Dresden (2000)
  •     Neue Galerie und Stadtmuseum, Graz; Grassi Museum, Leipzig; Museum Bochum; Multimedia Art Center (ehemals Moscow House of Photography), DHM I Deutsches Historisches Museum, Berlin (2003)
  •     Leopold Museum, Wien; Haus der Photographie/Deichtorhallen, Hamburg (2006)